Schreibtipp: Wie schreibe ich einen Roman – Teil 1

In letzter Zeit war es hier auf dem Blog-Teil von jtkitzel.de ziemlich ruhig. Das lag daran, dass ich an meinem dritten Roman gearbeitet habe, der nun in der Polierphase angekommen ist. Daher hatte ich zwischendurch immer nur kleinere Updates, die keinen ganzen Blogbeitrag wert gewesen wären. Diese veröffentliche ich dann auf meiner Facebook-Autorenseite.

Was aber sicherlich für einige Leser interessant sein dürfte: Wie kommt der Kitzel überhaupt zu einem Roman? Was sind die Schritte?

Der folgende Ablauf ist dabei natürlich nur „meiner“. Er funktioniert für mich seit drei Romanen und in leicht abgewandelter Form seit zig Kurzgeschichten. Trotzdem kann diese Arbeitsweise für einen anderen Autor völliger Humbug sein und das ist auch absolut in Ordnung.

Meine Vorgehensweise zum Schreiben eines Romans ist:

  1. Hintergrundidee der Story erstellen, also „Wer macht in welcher Welt mit wem was und warum?“
  2. Den Grobplot aufschreiben, gerne in der Form einer Mindmap, also sehr stichpunktartig.
  3. Grobplot ein paar Tage liegenlassen, um Abstand zu gewinnen. Wieder draufschauen und überarbeiten. Idealerweise mit einem Testleser besprechen, ob die Grundidee „zündet“, also der Hook funktioniert. Nochmal überarbeiten.
  4. Den Grobplot in einen Szenenplot überführen. Also eine Art „Drehbuch“ für die Kapitel erstellen. Da ich meist mit relativ langen Kapiteln arbeite (in Relation zu anderen Autoren), ist der Umfang des Szenenplots pro Kapitel etwas umfangreicher. Gleichwohl hab ich gute Erfahrungen damit gemacht, den Szenenplot noch nicht allzu fein auszuarbeiten, damit die Szene beim eigentlichen Schreiben noch „lebt“ und sich zumindest in Details noch verändern kann. Die Erfahrung, von der manch anderer Autor berichtet, dass der Plot sich beim Schreiben noch völlig dreht, mache ich ziemlich selten, dafür plane ich zu genau vor. Für mich persönlich(!) wäre das eher ein Zeichen, dass bereits der Grobplot nicht gut genug ausgearbeitet war.
  5. Schreiben. Weiter schreiben. Immer noch schreiben. Zwischen Szenenplot-Dokument und Schreib-Dokument hin und her springen und den Roman kapitelweise aufschreiben. Wenn mir während des Aufschreibens noch eine gute Kleinstidee für ein früheres Kapitel kommt à la „In Kapitel A bereits Gegenstand B erwähnen“, dann notiere ich diese per Kommentarfunktion am Anfang des Schreib-Dokuments. Dadurch hab ich die Idee beim Überarbeiten im Blick.
  6. „Ende“ drunterschreiben. Freuen. Roman liegenlassen. Mindestens zwei Wochen, vier sind besser. Abstand gewinnen, um den inneren Korrektor/Lektor aufzuwecken und die Poliermaschine vorzuwärmen.
  7. Erster Polierdurchgang. Schreibweise „abrunden“, also Wortdopplungen, zu viele Adjektive/Adverbien und natürlich auch Rechtschreib-/Grammatikfehler ausmerzen. Kleinere Szenen ergänzen, wenn etwas im Nachhinein betrachtet zu kurz gekommen ist. Aber auch dort kürzen, wo ich beim Schreiben zu schwafelig geworden bin.
  8. Zweiter Polierdurchgang. Hierbei konzentriere ich mich auf die wörtlichen Reden. Laut vorlesen. Auf den Klang achten. „Klingt“ eine reale Person auch so? Wenn nein, so lange polieren, bis es passt.
  9. Wieder liegenlassen, mindestens eine Woche, besser zwei. Anschließend dritter und letzter Polierdurchgang. Roman „als Leser“ lesen. Wo hakt noch etwas, was hört sich mit der eigenen Gedankenstimme immer noch unrund an. Überarbeiten. Durch Schritt 7 und 8 allerdings meist nur Kleinigkeiten.
  10. Je nach Veröffentlichungsweise (Verlag versus Selfpublishing) den Roman Testlesern mit der Bitte um Feedback geben oder direkt beim Verlag abgeben.
    Selfpublishing: Feedback von Testlesern einarbeiten.
    Verlagsveröffentlichung: Feedback des Verlaglektors einarbeiten (oft verdammt schmerzhaft, da Verlagslektoren die Angewohnheit haben, ihre Meinung sehr direkt zu äußern ;-)).
  11. Verlagsveröffentlichung: Mit dem Verlag das Cover abstimmen, den Buch-Satz gegenlesen und das Okay zur Veröffentlichung geben.
    Selfpublishing: Cover bestellen (bei den allermeisten Autoren ist es keine gute Idee, wenn diese auch noch das Cover erstellen, denn das ist eine Kunst für sich!). Buchsatz erstellen oder erstellen lassen. Veröffentlichen.
  12. Freuen!

 

Die einzelnen Phasen werde ich in kommenden Blog-Beiträgen jeweils näher beleuchten, inklusive aus meiner Sicht empfehlenswerter Tools, beispielsweise dem Autoren-Schreibprogramm „Papyrus Autor„.

Wenn ihr Wünsche habt oder Infos zu einzelnen Phasen haben möchtet, hinterlasst einfach einen Kommentar!

 

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3 Kommentare

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