Jonas´ Reise – Teil 9

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„Erhebe dich, Versunkener, du hast dich als würdig erwiesen!“
Jonas tat wie geheißen und kam von den Knien hoch. Er senkte in gespielter Demut den Kopf und der vor ihm stehende Priester der „Hellen See“ hängte ihm ein Amulett an einer kleinen Kette um. Die Phiole mit Meerwasser und dunkler Erde lag kühl auf Jonas Haut.
„Wir haben einen Neuen in unserer Runde, der durch seine Taten bewiesen hat, dass er sich aus der Mühsal der ersten Stufe herausgeschält hat wie unser Volk, das sich bald aus der nassen Umklammerung dieser Welt befreien und zu den Außermeerischen emporsteigen wird.“
Jonas lachte innerlich. Das Dickerchen vor ihm konnte ja nicht wissen, wie sehr er sich freuen würde, alle hier gleich jetzt zu den Außermeerischen zu befördern. Wenn nur die Suche nach Emilie nicht wäre, für die er den guten Schein wahren musste, hätte er gleich hier und jetzt reinen Tisch gemacht.
Das gute Dutzend Gemeindemitglieder klatschte Beifall und Jonas ging nach einer Verbeugung vor dem Dicken zu ihnen herüber und schüttelte jedem einzeln die Hand. Mit dieser Anzahl an Menschen war das Quartier der Sekte mehr als gut gefüllt und in der Enge kam Jonas nur langsam voran. Anerkennde Klopfer auf die Schulter folgten ihm bei jedem Handschüttler. Bis er vor Benedikt stand. Der junge Lodt schaute ihn zufrieden lächelnd an und in seinen hellen blauen Augen lag ein schelmisches Blitzen. Die Haare raspelkurz geschnitten wirkte der schmächtige Mann in der dunkelblauen Robe, der Gottesdiensttracht der „Hellen See“, fast verloren. Auch sie schüttelten sich die Hand und Jonas nickte Benedikt zu. Ohne dessen Fürsprache wäre er trotz der ordentlichen Säuberungs- und Kampfleistung sicherlich nicht so schnell zur zweiten Stufe der Sekte aufgestiegen. Wer hatte aber auch ahnen können, dass Benedikt der Sohn eines höheren Tieres war und mehr pro forma als wirklich ernsthaft die unteren Stufen eben durchjuckelte, um dann die rechte Hand seines Papis spielen zu dürfen. Glücklicherweise hatte er den Bengel kennengelernt. Noch längere Zeit als die eh schon vergangenen zwei Wochen in Säuberungs- und Bewachungsdiensten hätte er nicht über sich ergehen lassen, Freundschaftsdienst hin oder her. Sein Bankkonto wollte ja schließlich auch ab und an gefüttert werden.

Es wurde aufgetischt. Jonas setzte sich auf die lange Partybank, die zusammen mit den anderen flugs aufgebauten Partymöbeln die Sektenwohnung zu einem Bankettraum ummodelte. Das gute Dutzend Spinner wollte ja schließlich auch beköstigt werden, von Realitätsverleugnung allein konnte man auch als Sektierer nicht leben. Das Plastholz bog sich, Schüssel um Schüssel mit dampfendem Algenmus, Fischfilets, Meeresfrüchten und dem guten Cidration-Bier aus Arbiträa wurde aufgetischt. Warum auch zu den Außermeerischen aufsteigen, wenn man bis dahin verhungert war? Bei der Armee schickten sie auch keine hungrigen Soldaten auf den Feind, leerer Magen kämpft schlecht.
Jonas tischte sich auf und Benedikt neben ihm baute aus grünlichem Algenmus und hellen Fischstreifen einen scientianischen Grinse-Smiley auf seinem Teller nach. Jonas musste unwillkürlich lachen und stupste Benedikt in die Seite, was ihnen einen tadelnden Blick des Dicken einbrachte. Der Priester hatte sich selbstverständlich an Kopf gesetzt und wollte wohl gerade mit dem Tischgebet beginnen.
„Oh Außermeerische, wir danken euch für Speis und Trank. Segnet diese eure Gaben, auf dass wir uns euch bald anschließen können. Wir wollen zu euch emporsteigen und mit euch feiern Tag um Tag.“
Ohne ein weiteres Wort griff er zu seiner Gabel und die Gruppe tat es ihm gleich. Das Bankett war eröffnet.
Eine halbe Stunde später lehnte sich Jonas zufrieden zurück. So satt war er lange schon nicht mehr gewesen. Er hob die Cidrationflasche und Kondenswasser tropfte von der Außenseite auf sein blaues Gewand. Benedikt prostete ihm zu und schaute ihn fragend an.
„Was?“
Der junge Lodt druckste etwas herum. Dann: „Mein Vater will mich auf eine Mission schicken, die, wie er sagte, heikel werden könnte. Hättest du Lust mich zu begleiten?“
„Weißt du denn, worum es geht?“
„Nicht so genau. Aber es soll für die ´Helle See´ ziemlich wichtig sein. Ziwochda und Glamiel aus dem fünften Kreis sollen ebenfalls mit an Bord sein. Wenn die da sind, wird das wohl stimmen.“
Der fünfte Kreis. Zweithöchste Führungsebene. Perfekt wenn er mehr über die Struktur erfahren wollte, um Emilie zu finden.
Jonas lächelte zu Benedikt herüber und nahm einen Schluck des süffigen, leicht süßlichen Algenbiers. Er zwinkerte dem Nachwuchsspinner zu.
„Klar, bin dabei.“
Er erntete ein Lächeln.

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Ein Kommentar

  1. Eine Bis hier Spannende Geschichte. Leider Fehlt mir eine Fortsetzung.

    Wird es in Zukunft noch weitere Teile von Jonas Reise zu Lesen geben?

    ich h offe da die Geschichte ansonsten Unvollständig ist.

    Gruß Nick9999999

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