Vielfalt

Schreiben ist ein steter Prozess, mal mehr, mal weniger geplant. Ich vergleiche es gern mit Steinen: Je nach Projekt das Schreiben eher der handwerklichen Arbeit eines Maurers oder mehr der künstlerischen Hingabe eines Bildhauers. Beide arbeiten mit demselben Rohstoff – im Vergleich Stein, als Autor eben das Wort – aber obwohl am Ende jeweils Texte herauskommen, sind die dahinterstehenden Prozesse nur in Grundkonzepten ähnlich. Als Rollenspielautor macht mir die handwerkliche Arbeit Spaß, denn das Durchplotten eines Abenteuers, das Verfassen eines Völkerbuchs oder die Reisebeschreibung einer In-Game-Figur sind trotz aller kreativen Tätigkeiten im Drumherum doch mehr ein steter Prozess aus Planung, Arbeit, Polieren und wieder Arbeit. Für Rollenspiele zu schreiben, ist ein sehr handwerklicher Prozess, bei dem am Ende aber (fast) immer ein fertiges Produkt steht, dass man in die Hand nehmen und es begutachten kann. Man sieht die Schnitzer, die Eigenheiten, aber eben auch den Gebrauchswert. Dieser ist meist sogar mehrmals vorhanden: Einen Roman liest man (wenn es nicht eines der Lieblingsbücher wird) meist nur ein- oder zweimal. Ein gutes Rollenspielbuch hingegen ist Nachschlagewerk, Inspiration oder – beispielsweise bei Abenteuerbüchern – Handlungshilfe für lustige RPG-Abende.

Die Arbeiten am Quest-Abenteuer dürfen sich zurecht „Arbeiten“ nennen. Es ist ein stark schematisches Schreiben, an dessen Ende zwar ein spannendes Abenteuer steht, der Weg dahin ist aber stetig durchgeplant und bestimmte Prozesse und Vorgaben sind stetig im Hinterkopf. Ein LodlanD-Abenteuer zu schreiben ist da schon freieres „Arbeiten“, da es weniger Vorgaben und eine freiere Welt gibt. Beides macht Spaß, keine Frage, aber auf Dauer ist das freiere Schreiben doch mehr meins.

Und wenn ich mal wieder so richtig frei drauflosschreiben will, geht es eben an die nächste Folge von „Jonas´ Reise“ oder einen der anderen Texte, die auf meiner Festplatte schlummern. Das ist dann wirklich kreativ-freies Schreiben mit wenigen Vorgabe, wobei ich – das ist einfach mein Naturell – auch Kurzgeschichten und erst recht längere Episoden vorher im Geist (oder eben in einer Datei) durchplotte, damit ich nicht den Faden verliere. Nicht selten kommt es aber vor, dass ich dann beim Schreiben merke, dass eine andere Wendung der Geschichte besser tun würde als der ursprüngliche Plot. Aber das ist ja grad das Spannende und letztlich Kreative. Und das Produkt, das am Ende herauskommt, schätze ich nicht weniger als ein gutes RPG-Produkt, an dem ich mitgeschrieben, manchmal auch mitgearbeitet habe. 😎

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